Künstlerinterview mit Susanne Adler

Künstlerinterview mit Susanne Adler

Von Maria Gust. Susanne Adler hat schon häufig bei Ausstellungen mit ihrer klaren Formensprache und den nuancierten Farben auf sich aufmerksam gemacht. Bei einem Besuch in ihrem Atelier hat sie über ihre Entwicklung und über den Hintergrund ihrer Arbeit erzählt.

Susanne Adler, wie und wann sind Sie zur Kunst gekommen?

Also, ich glaube, das ist schon der Schulzeit losgegangen mit der Kunst, auf jeden Fall in der Schulzeit. Ich hab’ das Glück gehabt, am Thomas-Mann-Gymnasium in Lübeck zwei sehr gute und beseelte Kunstlehrer zu haben. Das war Claus Bubner und auch Ulrike Traub damals, die haben einfach das Feuer entfacht für die Kunst. Damit ist es losgegangen.

Dann hat man natürlich bei der Berufssuche vielleicht noch mal den einen oder anderen Schlenker gemacht, zumindest war ich dann auch eine Zeitlang für Fotografie interessiert, aber schon auf jeden Fall hat sich das Ganze in diesem Bereich bewegt, also die kreative Ecke. Schriftstellerei fand ich auch spannend. Ja, und dann ging das so los, dass ich mich erst in Kiel beworben habe an der Muthesius-Schule. Da hätte ich dann ein Wartesemester gehabt. Das hat mir nicht so gepasst, deswegen habe ich dann erst Grafikdesign in Hamburg angefangen und mich dann von dort aus an der Hochschule in Hamburg beworben und dann dort studiert.

Und dann waren Sie mittendrin … ?

Und dann war ich mittendrin, ja genau! So richtig unter den ganz Großen.

Welche Kunstströmungen haben Sie beeinflusst?

Ja, am liebsten alle …  ich interessiere mich eigentlich wirklich für Alles, aber den direkten Einfluss auf die Arbeit hat die Amerikanische Pop Art bei mir genommen, also solche Leute wie Rauschenberg oder Jasper Johns … wer fällt mir da jetzt noch ein? Es lässt sich nicht so ganz direkt zurück führen, aber so ein kraftvoller Umgang mit Form und Farbe. Das kommt, glaube ich schon aus der Amerikanischen Pop Art, das kann man sagen.

Und das ist so geblieben oder hat sich da über die Zeit noch ein starker Eindruck dazu gesellt?

Ja, in den neueren Arbeiten bin ich ja sehr abstrakt geworden, noch abstrakter als ich vorher schon war. Ich arbeite immer schon abstrakt, aber es gab lange Zeit einen Bezug zu irgend einer Form, die noch etwas aussagt, so wie „Haus“, „Boot“, „Schale“ oder „Korb“ oder irgendwas. Das ist dann irgendwann in rhythmische Farbstreifen übergegangen. Und klar,  in dem Bereich gibt es Vertreter der  Moderne, die in dieser Richtung gearbeitet haben.

Die guckt man sich natürlich an: Hans Hartung, Pierre Soulages … Es gibt viele, die in die Richtung arbeiten. Ich kenne auch kaum jemanden, der nicht ein großer Fan von Mark Rothko wäre. Da  muss man sich natürlich auch immer abgrenzen gegen diese großen Vorbilder, weil du willst ja nicht in deren Fußstapfen treten und in den Geruch kommen, sie zu kopieren. Das kann man ja auch gar nicht; die sind ist unkopierbar. Das hat er (Rothko) gefunden, auf diese Art Bilder aufzubauen. Aber klar, die sieht man und die nehmen Einfluss. Manchmal ja auch unmerklich. Man guckt die Sachen an und du weißt gar nicht, von wem kommt das direkt. Hast du es schon mal gesehen? Und dann bist du irgendwann in einer Ausstellung, und dann denkst du, ach ja, guck mal hier, da haben wir es doch!

Sie sind da eben schon ein bisschen eingestiegen auf Ihre Themen: Haus, Boot, … gibt es da Schwerpunktthemen in Ihrer Arbeit?

Ja, es ist auf jeden Fall immer das Thema „Reduktion“, also zurück gehen auf einfache Formen, sich immer weiter zu reduzieren, um es archetypisch zu machen, um es zu einer Chiffre zusammen zu ziehen, um dem mehr Kraft zu geben. Also nicht das Boot mit Details wie Maschinenraum oder sonst irgendetwas, sondern eher als einfache Form, die etwas Archetypisches transportiert. Die Streifenbilder, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, sind natürlich vollständig abgelöst von so einer Form, wenngleich manche Leute sagen, das sind Buchrücken. Nein, das sind keine Buchrücken. Nein, es sind Streifen. (lacht)
Da geht es dann wirklich um Malerei pur, also das, was man erreichen kann durch verschiedene Farbrhythmen, die man gegeneinander stellt, und möglichst viele Farbmischungen, die miteinander einen Klang entwickeln. Das hat auch so einen musikalischen Hintergrund, der da mit rein spielt. Ich singe seit sehr vielen Jahren ganz engagiert in einem Jazzchor, und da hat man natürlich auch immer Bilder im Kopf, die sich mit der Musik verknüpfen.

Welche Materialien werden hauptsächlich eingesetzt bei Ihrer Arbeit?

Ich bin ein absoluter Purist! Acrylfarbe, nichts anderes. Kein Sand, keine Spachtelmasse, kein Irgendwas, Acrylfarbe, weil sie so einfach zu händeln ist. Ich würde wahrscheinlich auch mit Ölfarbe umgehen wollen, wenn da nicht auch dieses Thema mit Lösungsmitteln,  Dämpfen und langer Trocknungszeit wäre. Ich bin ein eher schneller Arbeiter, und da kommt mir die Acrylfarbe wunderbar entgegen. Die trägst du auf, und die trocknet, und man kann sofort lasierend drüber gehen und kann dadurch auch so eine Tiefe erreichen. Die ist, glaube ich, mit der Ölfarbe nicht ganz so leicht zu erreichen. Oder es braucht sehr viel mehr Geduld.

Wenn Sie es jetzt einem Blinden beschreiben sollten … was ist das Besondere an Ihren Werken?

(Lacht) Ja, das ist eine gute Idee, sich das zu überlegen. Ich würde sagen, das Besondere ist, dass die Palette sehr weit gestreut ist, also dass wirklich eine große Vielzahl von Farben vorkommt. Nicht so wie bei den Expressionisten, die ganz klar im Komplementärbereich die Farben haben aufeinanderprallen lassen.
Es ist genau das Gegenteil. Das ist immer so ein ganz sublimes Aneinanderstellen von Farbigkeiten in verschiedenen Nuancen und Kontrasten. Auch Rhythmus und Stimmung! Ich wünsche mir immer, dass die Leute irgendwelche Ideen dazu bekommen, weil diese Farbigkeit eine Stimmung produziert, die an irgend etwas erinnert. Aber es soll halt offen sein und einen für die Malerei begeistern, also einfach für das, was dieses Medium kann.

Was ist die Quelle für den eigenen Antrieb und was inspiriert sie?

Ich kann nichts anderes! (lacht)

Das ist jetzt eine ganz kurze Antwort!

Eine kurze, knappe Antwort. Nein, also tatsächlich, das ist natürlich jetzt ein bisschen im Scherz gesagt, aber es gibt ja solche Momente, wo man denkt: Meine Güte, da schleppst du deine Sachen auf eine Ausstellung, Leute kommen, keiner kauft was, schleppst sie wieder nach Hause und dann denkst du: Mach ich das jetzt eigentlich immer weiter so? Dann denke ich: Ja, aber was statt dessen? Das ist ja nun mal das, was mich interessiert und das schon mein ganzes Leben lang. Ich habe schon als Kind gesessen und gezeichnet, endlos irgendwie. Also, ich wüsste nicht, was ich statt dessen machen sollte. Ich werde nicht Gärtner werden. Also macht man dann ja doch wieder weiter.

Gibt es bestimmte Aussagen, die Sie nach außen transportieren wollen mit Ihrer Malerei?

Ja, aber ohne Dogma. Zum Beispiel so ein Bild mit einem Boot, das hat natürlich ganz klar Aussagen in vielerlei Hinsicht. Aber ich möchte eigentlich, dass der Betrachter selber seine Geschichte dazu findet Und seine Eindrücke … ja, nein, das möchte ich eigentlich nicht vorgeben. Das soll das Bild tun. Das Bild soll bestenfalls den Betrachter in die Richtung bringen, die Ruhe und die meditative Kraft des Bildes zu spüren und irgendwo auch die positive Ausstrahlung, die es hoffentlich hat. Das ist schon so das Sendungsbewusstsein, aber das würde ich nie so in Worte fassen wollen, sondern eher dem Betrachter überlassen. Meistens passiert das dann ja auch, dass Leute, wenn es ihnen gefällt, selber anfangen zu erzählen, was sie da eigentlich sehen, was sie attraktiv finden und was sie sich dazu denken. Und das finde ich eigentlich am Schönsten.

Der Kunstmarkt fordert scheinbar einen Wiedererkennungswert von den Künstlern. Empfinden Sie das für sich als Einengung oder als positive Leitlinie?

Ehrlich gesagt ….Es interessiert mich nicht ist vielleicht zu lässig gesagt. Natürlich ist man auch davon beeinflusst, dass es eine Erwartung an einen gibt. Das ist doch die, die immer die hohen schlanken Formate malt, zum Beispiel. Ich habe ganz lange solche Streifenbilder, die in einem gewissen Rhythmus Formen gezeigt haben, gemalt. Das erwartet dann ein gewisses Publikum, aber seit Gerhard Richter wissen wir, man kann sowieso alles machen. Das ist – glaube ich – auch der Vorteil des Älterwerdens, dass man sich das nicht mehr selbst verbietet. Egal! Es ist sowieso alles von mir. Lass es sich doch verändern – warum nicht? Man verändert sich ja auch in seinem Wesen.

 

Vita Susanne Adler/ Ausstellungen

1957 in Lübeck geboren
1978–83 Künstlerische Ausbildung in Hamburg: 4 Semester Graphik-Design an der Kunstschule Alsterdamm, dann Hochschule für Bildende Künste, Lerchenfeld.
Seit 1985 freischaffend in Lübeck tätig
Seit 1993 Mitglied im Bundesverband Bildender Künstler
1995/96 Auslandsaufenthalt in Toulouse, Frankreich
Vorsitzende der Gemeinschaft Lübecker Maler und Bildhauer von 2002 bis 2006.
2002 Stipendium der Dr. Günther-Schirm-Stiftung
Zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen seit 1985 u.a. in Lübeck, Hamburg, Berlin, Weilheim, Medebach, Prora, Kiel, Bonn, München.
Beteiligt seit 1989 an Jahresschauen der Lübecker Künstler und an den Themenausstellungen Himmel & Erde, Eros, Spiegelungen im Kulturforum Burgkloster, Lübeck