Makrofotografie – nah dran und doch weit weg

Makrofotografie – nah dran und doch weit weg

Von Stefan Neumann. Kunst und Fotografie sind oft eng miteinander verbunden. Je nach Genre wird mal mehr und mal weniger dokumentiert und exakt abgebildet. In der Makrofotografie geht es in der Regel um das genaue Wiedergeben kleinster Dinge. So auch bei Martin Fischers künstlerischer Makrofotografie – und doch ganz anders.

Martin Fischer ist Wissenschaftler. Und Künstler. Das gibt seinen Arbeiten eine besondere Dimension. Begonnen hat der studierte Mess- und Regeltechniker seine gestalterische Karriere mit einem Studium für informelle Illustration in Hamburg. Schon immer hatte Fischer der technische Aspekt interessiert, und das setzte sich nun in der Illustration fort. In seinen Arbeiten, die den Studienjahren folgten beschäftigten ihn auch die Fragen nach dem „Warum“ in der Kunst.

Bei den künstlerischen Darstellungen haben mich immer die wissenschaftlichen Fragen beschäftigt, z.B. warum etwas wie erscheint. Warum sieht ein Akt aus wie ein Akt? Was macht ihn zum Akt? Ist ein Akt, der nicht den klassischen Merkmalen entspricht mehr oder weniger Akt als die Kohlezeichnung eines nackten Körpers?

Von der Kunst zur Makrofotografie

Immer mehr interessierte Fischer sich für Fotografie. Auch hier war ihm immer die wissenschaftliche Betrachtung wichtig. Er entdeckte die Makrofotografie für sich und experimentierte mit verschiedenen Systemen und immer stärkeren Vergrößerungen. Schließlich entwickelte und baut er sich eine eigene Kamera, die extreme Vergrößerungen zustande brachte, aber ausgesprochen schwer zu steuern und zu bedienen war. Der Balgen einer Großformatkamera, verschiedene Halterungen, Beleuchtungs- und Linsensegmente bildeten eine Konstruktion, deren Bildebene sie so weit oben über dem Fußboden befand, dass sie nur über eine Leiter zu bedienen war. Die Motive scharf zustellen, war dabei die größte Herausforderungen, da der Schärfebereich im Zehntelmillimeterbereich lag.

Bei meinen experimentellen Aufnahmen entdeckte ich häufig überraschende Abbildungen. Durch die extreme Vergrößerung glichen Ausschnitte von Dingen und Tieren des Alltags abstrakten Landschaften. Bei meinen Streifzügen durch diese nahen und doch fernen Welten entstanden die künstlerischen Makroaufnahmen.

Bei einigen Bildern lässt sich die Herkunft recht gut nachvollziehen. Mal stand eine Centmünze Pate für eine Aufnahmenserie, mal eine kleine Fliege oder Wespe. Motive aus der Insektenwelt werden gerne für die Makrofotografie bemüht. Allerdings strapaziert Martin Fischer diese nicht weiter, sondern findet in der Abstraktion von Flügeln, Beinen und Spinndrüsen seine eigene Welt. Er erschafft Abbilder, die vielmehr an Landschaften erinnern, als an Insekten oder Münzen. Die Fotografien liefern stimmungsvolle Einblicke in Bereiche, die uns unmittelbar umgeben und, die wir mit bloßem Auge nicht erkennen können.

Schade eigentlich. Doch dank Fischer erhalten wir einen kleinen Ausflug in unsere direkte Makronachbarschaft.

Martin Fischer (Jahrgang 1956) ist Künstler und lebt und arbeitet in Lübeck. Seine Zeichnungen und Illustrationen beschäftigen sich mit Menschen und seiner Lübecker Umgebung. Er fotografiert künstlerisch – auch wenn er gerade eine schöpferische Pause eingelegt hat – nicht um naturgetreu abzubilden. Vielmehr schafft er Kompositionen und Farbwelten mit einem ganz eigenen Reiz und einer besonderne Stimmung.

Gelegentlich veranstaltet er Ausstellungen im Vorraum seines Ateliers im Walkmühlenweg.