Malerei in zwei bis drei Dimensionen

Malerei in zwei bis drei Dimensionen

Von Maria Gust. Die Künstlerin Barbara Engel gibt sich nicht immer mit normalen Leinwänden zufrieden. Schon lange zieht es sie auch hin zur Dreidimensionalität. Ihre Bildträger sind so gestaltet, dass der Betrachter automatisch dazu verleitet wird, dem Werk von mehreren Seiten her auf die Spur zu kommen. Ihre Themen sind breit gefächert: Portraits und Landschaften gehören ebenso dazu wie auch das ganz profane Alltagschaos. Bei einem Atelierbesuch erzählt sie von ihrem Werdegang und ihrer Motivwahl.

Barbara Engel, wie war Ihr Weg zur Kunst?

Ich bin als Kind oft umgezogen. Ich lebte in Belgien, und in der Fremdeversuchte ich mich über die Malerei auszudrücken, weil ich mich beim Malen einfach am wohlsten fühlte. Das hat sich dann weiter entwickelt. Auch nachdem ich mit meiner Mutter zusammen nach Deutschland zurück gezogen bin, war ich in der Schule im kreativen Bereich und beim Malen immer sehr intensiv dabei.

Ich fand es ganz wichtig, meine Freunde und Verwandten zu malen, ja, und so bin ich dann dazu gekommen, mich an drei Kunstakademien zu bewerben und bin dann in Kiel und Düsseldorf angenommen worden. Ich habe dann durch das Studium auch andere Medien kennen gelernt, um mich auszudrücken, um u.a. installativ zu arbeiten.

Gibt es bestimmte Kunstströmungen, die wichtig waren auf Ihrem Weg?

Mit den Kunstströmungen auf meinem Weg war es etwas schwierig, weil der Geist von Joseph Beuys noch in der Luft schwebte, und die berühmten Professoren missstimmig waren, was denn da für eine neue Generation auftauchte, nämlich wir, die eher fragend und wahrnehmend, eher zurückhaltend ans Werk gingen und nicht politisch fordernd. Es gab ja damals sehr viele Diskussionen während des Studiums. Und für die Dozenten und Professoren war das eher eine bremsende Stimmung. Sie wussten nicht so genau, was sie mit uns Malern anfangen sollten. Wir wollten eigentlich eher zurück zum Gegenständlichen. Mir gibt es irgendwie Halt, wenn ich beim Gegenständlichen bleibe.

Haben Sie sich trotzdem gefördert gefühlt von den Dozenten oder mussten Sie allein Ihren Weg suchen?

Ja, ich habe meinen Weg alleine gesucht, aber ich musste mich natürlich mit den Professoren auseinandersetzen, was für mich auch eine Bereicherung war. Es gab sehr viele Pole, und da habe ich sehr viel dazu gelernt. Insofern war es wichtig, dort studiert zu haben. Um einen eigenen Standpunkt zu finden?   „Ja!“

Was waren in den letzten Jahren Ihre Schwerpunktthemen?

Die Schwerpunktthemen sind zum Teil das, was ich in den Medien wahrnehme.
Und eben das Suchen des Fremden im Vertrauten bezüglich der Menschen.

In den Medien nimmt man sehr viel wahr. Können Sie das ein bisschen konkretisieren, was für Sie das Wichtige ist?

Wir sehen ja täglich Tausende von Bildern, und wenn ich mich in ein Bild verliebe, dann hat das meistens damit zu tun, dass …….. z.B. wenn ein einfacher Mensch seinen Alltagsweg durch den Fluss geht, in dem er sein Fahrrad über dem Körper trägt … Ja, dann verliebe ich mich in so ein Motiv und versuche das dann noch mit eigenen Wahrnehmungen, der eigenen Alltagswelt zu verschmelzen.

Setzen Sie bestimmte Materialien bei der Arbeit ein?

Die klassischen Materialien: Eitempera, also, ich rühre tatsächlich die Farbe mit Ei,  Leinöl und Pigmenten an. Und mit Ölfarben male ich auch.

Was würden Sie sagen, was das Besondere und ganz Eigene ist, was Ihre Bilder ausmacht in Abgrenzung zu anderen Künstlern?

Das kann ich nicht beurteilen (lacht). Das ist schwierig, weil vieles, was ich male kommt aus dem Bauch, und dann entsteht eine Lasur oder ein paar Flecken, die aneinander gesetzt sind … das könnte sich vielleicht unterscheiden von anderen.

Vielleicht macht es ja auch die Motivauswahl. Mir ist aufgefallen, dass Sie Dinge aus dem häuslichen Bereich, also zum Beispiel Wäscheberge gemalt haben, und das sieht man ja sonst nicht so häufig.

Richtig. Das kennt man nicht unbedingt. Das hat mich beschäftigt, weil es Wohnsituationen gibt, die eben so aussehen (lacht). Für mich ist es nicht negativ, wenn ein Chaos entsteht, ganz im Gegenteil: Es entstehen neue Farben und Formen. Die Natur ist ja auch das reine Chaos!
Ich malte z.B. das Chaos einer Freundin, die Mutter regte sich darüber auf, dass das Chaos gezeigt wird, und das gehört sich ja nicht.  (Lachen ….)

Was ist für Sie die Quelle des eigenen Antriebs?

Die Quelle meines Antriebs…..Das ist mein Leben ……. Also zu verstehen, das Leben zu verstehen ist der Antrieb. Ich benutze das Malen tatsächlich auch manchmal als Therapie.

Gibt es bestimmte Aussagen, die Ihnen wichtig sind bzw. die aus Ihren Bildern ablesbar sein sollen? Gedanken, die Sie transportieren möchten ….

Ja, versteckt hinter den bunten positiven Farben möchte ich die Menschen zum Nachdenken bringen über das, was ich gemalt habe.

Stichwort Wiedererkennungswert bzw. Stilverpflichtung … fühlen Sie sich von solchen Vorgaben gebunden oder gibt es da auch lustvolle Abschweifungen nach recht und links?

Ich mag es gerne, dass ich so ganz locker mit dem gegenständlichen Malen umgehe, also nicht so ganz genau male. Ich glaube, das sieht man auch, und das unterscheidet sich auch von manchen anderen Künstlern.

Vielen Dank, Barbara Engel!

 

Vita von Barbara Engel/Ausstellungen

1971 in Bad Segeberg geboren, wohnt und arbeitet in Lübeck
Bildende Künstlerin, Freie Malerei – Studium der Kunst, Kunstakademie Düsseldorf, Klasse Prof. Markus Lüpertz, Klasse Prof. Alfonso Hüppi /Düsseldorf (1993 – 1999),
Meisterschülerin bei Prof. Alfonso Hüppi
Hochschulabschluss (Akademiebrief)
Bagheer-Stipendium (1999)
Master of Arts, Institut für Kunst im Kontext, UdK, Berlin (2002 – 2004)
Gedok-Stipendium (2009)
Zahlreiche Ausstellungen/ -Beteiligungen, u.a. bei den Jahresschauen
aer Gemeinschaft der Lübecker Künstler sowie der Wander-
Ausstellungen der gedok