Vernissage in der Fleischhauerstraße

Vernissage in der Fleischhauerstraße

Das Atelier No. 44 lud ein zu Kunstgenuss und Livemusik

Von Sarah Glowik.

Lübeck, die Stadt der Kunst und Kultur hat so einiges an großen Museen zu bieten, doch manchmal lohnt es sich auch, kleinen Ateliers eine Chance zu geben.
So lud das Atelier No. 44 in der Fleischhauerstraße an diesem Mai -Wochenende zu einer Vernissage ein und begeisterte mit Glaskunst, Skulpturen und Gemälden ebenso wie mit Livemusik und allgegenwärtiger Freundlichkeit.

Gelungene Ausstellungseröffnung

Handgefertigte Glasperlen und Glasschmuck, damit verzaubert Manuela Wutschke. Die gebürtige Rumänin lebt seit 1993 in Ratzeburg, wo sie heute Werkstatt und Atelier hat. Bewundernswert, wie aus Glasstangen diese vielen, handgefertigten Originale entstehen. Ringe, Ketten und Ohrringe – alles was Frau braucht, ist hier zu bekommen. Wer ihren Schmuck zum ersten Mal sieht, könnte fast Ehrfurcht empfinden. Klar, hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Die Möglichkeit, mit dem Licht zu spielen und Farben und Formen möglichst kreativ zu vereinen, scheint für Wutschke besonders interessant zu sein. Nimmt man sich ein wenig Zeit, die Perlen im Licht zu drehen, wird man Zeuge der ganz besonderen Magie und darf sich unterschiedlicher Farbspiele erfreuen.

Neben ästhetisierenden Elementen findet man auch Innovation in ihrer Ausstellung.
Besucher waren besonders begeistert von dem Modell “Wechselring“, der aus einer Ringschiene, einer Art Aufsatz oder auch “Topping“ besteht. So gewährleistet der Ring ein häufiges, dem Anlass entsprechendes Wechseln der Glasperlen-Toppings.
Neben der filigranen Herstellung von Glaskunst weiß sie auch mit dem Pinsel umzugehen. Die Künstlerin eröffnete heute ihre Ausstellung im Atelier No. 44, welches sie sich mit weiteren faszinierenden Künstlern teilt.

Künstlerische Vielfalt aus Lübeck und Umgebung

Eine von ihnen ist Ilona Kelling. Sie lebt und arbeitet in Lübeck und Berkenthin als freischaffende Malerin und gründete im März 2013, in Ateliergemeinschaft mit drei weiteren Malern, das Atelier No. 44 in Lübeck. Dort finden auch ihre Kurse für Acrylmalerei sowie der Unterricht für Kindermalgruppen statt. Zu ihren Werken gehören die stark schwedisch geprägten Bilder. Besonders dabei? Die schwedischen Zeitungen oder Materialien wie Leinen, die sie auf großformatigen Leinwänden in ihre Acrylmalerei einfügt. Bilder, die im Gedächtnis bleiben.

Kontrastreich wird die Ausstellung insbesondere durch Karsten Müller, der Massives mit Filigranem in seinen unterschiedlichen Skulpturen kombiniert.
Holz und Metall verschmelzen hier in einer bestechenden Natürlichkeit. Die aus Fundsachen entstandenen Skulpturen spielen mit Balance und Bewegung. Manchmal jedoch drücken seine Werke pure Ruhe aus oder sie scheinen das Auge täuschen zu wollen.

Früh übt sich…

Mit Abstand die jüngste Ausstellerin ist Elena Trieb, die mit ihren 19 Jahren ebenfalls im Atelier No. 44 ihr Können unter Beweis stellen darf. Speziell die Themen Kulturen, Gesellschaft und die Frage nach Identität prägen ihre Bilder. Dabei malt sie nicht einfach drauf los, sondern weiß ganz genau, was sie mag und was sie in ihren Bildern ausdrücken möchte. Inspiriert wird sie dabei auch von Filmen. So steckt hinter dem Bild mit dem Titel „Coffee and Cigarettes“ die Vorliebe für den gleichnamigen amerikanischen Episodenfilm von Jim Jarmusch aus dem Jahr 2003.

Ungewöhnlicherweise ist sie über ein Wirtschaftspraktikum 2013 zum Atelier in der Fleischhauerstraße gekommen. „Ich hatte großes Glück, dass mein Lehrer so nett war und ich hier mein Praktikum machen durfte. Dann habe ich einfach mal gefragt, ob ich hier auch etwas ausstellen dürfte, und ab jetzt bin ich feste Ausstellende im Atelier“, sagt sie mit einem bescheidenen Lächeln. Überhaupt ist ihr, trotz ihres großen Talents, kein bisschen Hochmut anzumerken. Sie ist ein hübsches, natürliches Mädchen und eine Künstlerin, die man sich für die Zukunft merken sollte.